Archive for the ‘KULTUR’ Category

Kampfkunst

Der Verein Selbstverteidigung für Frauen, gegründet 1976, präsentierte regelmässig die dort gelehrten Verteidigungstechniken und begeisterte die Frauen mit Show-Einlagen. Davon zeigen wir hier einige:

 

Stockkampf mit Marta Schediwy und Ines Strobel im Tempodrom 1986

 


Marta Schediwy und Ines Strobel präsentieren Stockkampf als Show in der TU Mensa Berlin 1986

Karate-Katas präsentiert anlässlich des 10-jährigen Jubiläums des Selbstverteidigungsverein für Frauen SVF e.V.

Kunstausstellungen

Verbotene Ausstellung zur Eröffnung des FZ

Wir fanden im Frühjahr 1973 einen Laden in Kreuzberg, in dem wir das Frauenzentrum eröffneten mit einer Frauenaustellung, die von Brigitte Mauch, Toja Wernery und Evelyn Kuwertz gestaltet worden war: Zur Situation der Frau in Familie und Gesellschaft. Sie zeigte  Schwerpunkte wie: Einkaufen, Kinder versorgen, Mann bedienen, Wohnung putzen und sexuell verfügbar für Männer sein. Der Senat, der diese Ausstellung zum Teil mitfinanziert hatte, stellte wegen angeblich jugendgefährdender Darstellungen keine Räume zur Verfügung. Anlaß war ein einziges Bild, auf dem die normale sexuelle Benutzung der Frau durch den Mann dargestellt wurde.

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Ausstellungswand zur Situation der Frau in Familie und Gesellschaft[1]

 

„Emanzen – das hässliche Geschlecht“

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„Toast auf die Emanzipation der Frauen von bereits furios Emanzipierten“ aus der Serie „Die Scheidungsrechterlinnen“ 12.10.1848

In der Ausstellung Honoré Daumier und die ungelösten Probleme der bürgerlichen Gesellschaft der NGbK 1974 im Schloss Charlottenburg stellte Cillie Rentmeister Daumiers Karikaturen zur damaligen Frauenbewegung in Ausstellung und Katalog vor.
Das brachte uns die Erkenntnis, dass Frauen schon zu Zeiten der Französischen Revolutionen für mehr Rechte kämpften. Der ganze Aufsatz von Cillie Rentmeister dazu hier.

Künstlerinnen international 1877-1977

Eine Grupppe um Sarah Schumann zeigte Arbeiten von Künstlerinnen in der Orangerie des Schlosses Charlottenburg unter dem Schirm der NGbK, der Neuen Gesellschaft für Bildende Kunst.

Cillie Rentmeister hatte acht Künstlerinnen zu ihren Schaffensbedingungen, den künstlerischen Ideen und zum schwierigen Verhältnis von Kunst zu Politik und Frauenbewegung interviewt: Darunter Sarah Haffner, Maina-Miriam Munsky, Gisela Breitling und Evelyn Kuwertz. Doch dieser Text sollte wegen einiger grundsätzlich kritischer Anmerkungen zur Malerei nicht im Ausstellungskatalog erscheinen. Cillie Rentmeister veröffentlichte ihn daraufhin als Sonderdruck unter dem Titel Der Kaiserin neue Kleider.

 

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Dieser Sonderdruck kann hier als PDF/14MB heruntergeladen werden.

Das Konzept der Ausstellung – gespiegelt unter anderem durch die Jurierung – widersprach dem Verständnis (des Frauenzentrums) von den feministischen Möglichkeiten von Kunst, aber auch der Erwartung an eine große künstlerische Spannweite und an Transparenz der Auswahlkriterien der Jury. 
So wurde Maina-Miriam Munsky beispielsweise nicht zur Ausstellung angenommen, und Sarah Haffner zog ihr Werk, unter anderem gegen diesen Ausschluss protestierend, von der Ausstellung zurück. Die Fotokünstlerin Marianne Wex, die mit feministisch geschärftem Blick die Realitäten analysierte, wurde mit ihren Fotoserien zur Körpersprache weiblich – männlich nicht am prominenten Hauptort Schloss Charlottenburg ausgestellt, sondern an einen Nebenschauplatz in den Räumen der NGBK verwiesen.

Die NGbK hatte dieses Projekt zuerst abgelehnt. Mit einem Trick wagte Sarah Schumann einen zweiten Anlauf:

Kurz vor der der entscheidenden Sitzung traten zahlreiche Sympathisantinnen aus der Frauenbewegung in die NGbK ein, wurden dadurch Vereinsmitglieder und sorgten mit ihren Stimmen dafür, dass dieses Ausstellungsprojekte mehrheitlich befürwortet worden ist. (..) Diese Verbindung zwischen Frauenbewegung und den Künstlerinne, die dieses Ausstellungsprojekt in seinen Anfängen erst möglich gemacht hatte, führte (…) in der späterern Durchführung allerdings zu Konflikten.[1]

Einige Feministinnen wurden misstrauisch: Sollte die Aufmerksamkeit, die die feministische Bewegung für Frauenthemen erzeugt hatte, von Künstlerinnen genutzt werden, um den eigenen Marktwert zu erhöhen?

 

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FRAUENKUNST – nicht nur von Frauen, sondern FÜR und MIT FRAUEN!

 

Frauen aus der Berliner Frauenbewegung wollten ihren Protest vor Ort inszenieren. Deshalb schrieben sie eine Pressemitteilung, die mittels Briefkopf des Veranstalters NGBK vorgab, dass die Ausstellungsmacherinnen ihre elitäre Position korrigieren wollten. Diese „Pressemitteilung“ liessen sie im Rundfunk (damals SFB) verlesen:

 

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Mithilfe eines mit Wachsmatrizen abgezogenen Flugblatts sollte die Aktion gestoppt werden. Die Ausstellung wurde vorsichtshalber geschlossen.

 

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Doch die „Massen“ versammelten sich bereits vor der Orangerie des Schlosses und schliesslich öffneten die Türen wieder, die Frauen strömten herein und liessen sich zu eigenem Kunstschaffen nieder.

 

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NGBK_brief

Fotos: Cristina Perincioli

Monika Kaiser resumiert 2013:

Die mit der feministischen Bewegung verbundende Idee prozessorientierter Kunst und Kreativität, die in einem interaktiven, kreativen Kommunikationsraum angesiedelt war, stand der Idee der individuellen, künsterischen Schöpfung gegenüber, die im Distanz schaffenden White Cube ihren Platz hatte. (…)  Die auf Professionalität ausgerichteten Künstlerinnen setzten in den 80er Jahren verstärkt auf die Abgrenzung von der Frauenbewegung und damit auf die räumliche Anpassung an den Kunstmarkt.[2]

 

Das verborgene Museum

Es wurde 1986 mit der Zielsetzung gegründet, Lebenswerk und Lebensgeschichte von Künstlerinnen bekannt zu machen, die aus den unterschiedlichsten Gründen in Vergessenheit geraten sind.

Das verborgene Museum ist die weltweit einzige Einrichtung, die sich programmatisch um die öffentliche Präsentation und wissenschaftliche Aufarbeitung der Lebenswerke von Künstlerinnen zurückliegender Jahrhunderte bzw. nicht mehr aktiv tätiger Künstlerinnen kümmert. Weitere Infos.

 

[1] Monika Kaiser, Neubesetzungen des Kunst-Raumes, Feministische Kunstausstellungen und ihre Räumw, 1972 – 1987, S. 141,142
[1] ebenda, S. 160

Frauenorte, Kneipen, Buchläden

Labrys, der erste Frauenbuchladen 1974 bis 1994

LilithFrauenbuchladen 1976 bis 1998

Blocksberg FrauenLesbenKneipe 1975 – 1980

FFBIZ Frauenforschungs- bildungs- und Informationszentrum ffbiz.de

Spinnboden

Frauen- und Lesbentreffen

1972 Erstes Pfingsttreffen der Frauen aus der Homosexuellen Aktion (HAW) in West-Berlin.

 

Im Februar 1973 trafen sich in München und ein Jahr später zum Jahreswechsel 1973/1974 in Coburg feministische Gruppen Westdeutschlands zu bundesweiten Treffen. Zwei Protokolle geben Einblick in die Entwicklung, in Inhalte, Ziele, Fragen.

Die Protokolle zeigen den Zustand der Frauenbewegung und dokumentieren Denken und Ausdrucksweise der Frauen, woher die verschiedenen Gruppen kamen und in welche Richtungen sie suchten. Etwa die Hälfte waren Studentinnen; viele Gruppen waren aufgrund der „Aktion §218“ entstanden, wobei die Kampagne gegen das Abtreibungsverbot offenbar am Abflauen war. Viele Gruppen gingen aus sozialistischen Theoriegruppen hervor und suchten immer noch nach Wegen, sich über Stadtteilarbeit oder Betriebsarbeit mit dem Proletariat zu verbünden. Eine Gruppe nach der anderen schien diesen Anspruch irgendwann fahren zu lassen und wandte sich den Themen zu, die den Frauen selbst nahegingen.

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Vorderseite der Einladung zur Frauenwoche in Coburg zum Jahresende 1973

 

Das Protokoll vom Frauenkongress 1973 in München als PDF
mit seinen aus heutiger Sicht manchmal merkwürdig anmutenden Formulierungen, ist die wortgetreue Abschrift des im Februar 1973 verfassten Protokolls.
Der Fettdruck des Wortes Arbeit soll auf den zwanghaften Sprach- und Denkstilder Zeit aufmerksam machen.

Zum nächsten bundesweiten Treffen in Coburg Ende 1973, das mehrere Tage dauerte und in einer trostlosen Jugendherberge stattfand, kamen weniger Frauen. Neben einer starken Gruppe aus Berlin kamen nur aus wenigen anderen deutschen Städten weitere Frauen. Dafür erfuhren die Frauen von den atemberaubenden Aktivitäten der Genferinnen und konnten Kontakte nach Straßburg und Wien knüpfen, was leider keine Erwähnung in dem Bericht über das Treffen fand. Aus dem Protokoll erfährt man jedoch, was die Frauen lasen, worüber sie stritten, was sie aufbauten. Hatte sich die Frauenbewegung in den zehn Monaten weiterentwickelt und in welche Richtung?
Das Protokoll vom Frauenkongress 1973 in Coburg als PDF

 

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Rückseite der Einladung zur Frauenwoche in Coburg zum Jahresende 1973

 

1974 Internationales Frauencamp auf Femø

Viele Infos und Bilder hierzu

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Frauencamp Femø

Das alljährliche Sommercamp auf der Insel Femø wurde von den dänischen Frauen – den Rotstrümpfen – organisiert. Es existiert seit 1971 und wie es scheint bis heute. Hier gibt es Umfassende Informationen über Organisierung und Geschichte dieses Frauencamps in englisch.
 

 
Kurzes Lied mit Fotos von Aktionen der Rotstrümpfe.
 
Mit diesem Camp gab die dänische Frauenbewegung europäischen und amerikanischen Frauen die Gelegenheit zum internationalen Austausch. In einem solchen Kreis entstand 1974 die Idee zum internationalen Tribunal zu Gewalt gegen Frauen, welches 1976 in Brüssel stattfand.

Diana Russel
 
Diana Russel in Femø 1974.
Ihr gelang es mit einer kleinen internationalen Gruppe und minimalen Mitteln das internationale Tribunal zu Gewalt gegen Frauen in Brüssel 1976 zu realisieren.

 


 
Die Flying Lesbians spielen im Frauencamp in Femø 1974 ein Lied, was im Lesbencamp Sanguinet geschrieben wurde.
Fotos und Montage Cristina Perincioli.

 

Femø im Jahr 1976 beschrieben von Julia Bähr (d.i. Claudia Pinl) in „Klatschmohn“ Köln, 1984

Bei tollem Wetter fuhren wir über den holprigen Feldweg ins Lager, sofort umringt von nackten Frauen. (..) als ob es einen plötzlich, über Nacht, nach Malayo-Polynesien verschlagen habe: nackte Körper, Musik, Gruppen von Frauen, die ihre Haut bunt bemalt hatten und zu dumpfen Trommelschlägen durch die Kiefernwälder der Umgebung zogen, andere, die morgens um sechs im Anblick der aufgehenden Sonne ihre Yoga-Übungen machten. Das war mir alles sehr befremdlich und machte mir Angst – von Sozialismus-Feminismus-Debatten schien frau hier recht weit entfernt zu sein. Ich war froh, als wir erstmal in einem der sechs oder acht großen Armee-Zelte, in denen dreißig bis fünfzig Frauen schliefen, Platz für unsere Schlafsäcke gefunden hatten. (..)

Trotz des sehr bunten äußeren Bildes hatten die Däninnen alles gut durchorganisiert und achteten darauf, daß die Reglements eingehalten wurden; (..) Dann bestand ein fester Plan für die täglichen Arbeiten, Kochen, Spülen, Toiletten und Waschräume saubermachen. (..) Das gemeinsame Kochen im Küchenzelt gefiel mir, wir saßen alle um große Tische und schnitten Gemüse, es gab spannende Augenblicke, zum Beispiel wenn das Kartoffelwasser abgegossen werden mußte und wir zu dritt oder viert die riesigen Töpfe kippten. Dann schleppten wir unsere Produkte vor das Zelt, wo sich die Frauen schon in langen Schlangen anstellten, mit ihren Bestecken ungeduldig auf die Teller trommelten.

Nach dem Essen spielten sich hinter dem Küchenzelt wahre Spülorgien ab: Jeder Teller, jede Tasse, jedes Stück Besteck wurde vorgespült, klargespült, dann in Desinfektionsmittel getaucht und dann nochmal in drei oder vier Waschgängen von diesem Gift gereinigt. (..)

(..) Komisch war es immer, wenn am Spätnachmittag ein Kaufmann aus dem Inselkaff zu unseren Zelten gefahren kam und Lebensmittel anbot. Sofort waren der kleine Lieferwagen und der Mann in seinem biederen Anzug von einer Horde nackter Frauen umringt, die meist nichts trugen außer ihrem Portemonnaie.
(S.158)

»Frauenland«-Bewegung

Meine erste Begegnung mit der »Frauenland«-Bewegung… war nicht gut. (..) Bald gab es auch bei uns Landlesben, in Charlottenberg und Astert im Westerwald, wohin auch einige Kölnerinnen zogen. Der ursprüngliche Gedanke war, Frauenterritorien zu errichten, wie kleine Inseln mitten im Patriarchat. Als ich mich einige Jahre später mit Aussteige-Plänen trug, machten sich meine Phantasien an den amerikanischen women’s lands in Oregon und New Mexico fest. Ich hatte Vorstellungen von autonomen und wirtschaftlich unabhängigen Gemeinschaften, von Frauen, die sich durch ihre landwirtschaftliche Arbeit selbst ernähren. Ich sah mich dort bereits Wiesen mähen und Zäune reparieren. Ein Wochen-end-Seminar mit Frauen, die da gewesen waren, belehrte mich dann eines besseren: Die Frauen der women’s lands lebten nicht etwa von der eigenen Landwirtschaft, sondern von Gelegenheitsjobs oder Sozialhilfe; statt Felder zu pflügen und Gemüse anzubauen, saßen sie in ihren Zelten und machten in Astrologie, Tarot und matriarchalischen Ritualen. (s.160)

Frauenfeste

Das erste Frauenfest in der Mensa der TU Berlin mit 2000 Frauen war auch die Geburtsstunde der Flying Lesbians.

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Mit dem Fest sollte der geplante Frauenkalender finanziert werden. So sah der Aufruf aus.
Schon das erste grosse Frauenfest bote ein informatives Beiprogramm.

(Hier wird Cillie weiterschreiben….)

 

Cillies Mukis

Stockkampf mit Marta Schediwy und Ines Strobel im Tempodrom 1986

Marta Schediwy und Ines Strobel präsentieren Stockkampf als Show in der TU Mensa Berlin 1986

Frauenbands

Berliner Frauenbands, die mit der feministischen Bewegung in Berlin verbunden waren:

Flying Lesbians 1974-77

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Diese Band stellt ihre Geschichte in einer eigenen Website dar!

 

 

Lysistrara

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Sylvia Kipp: Klavier, Orgel
Barbara Bauermeister: Melodie- und Rhythmusgitarre, Gesang
Ulrike Sundermann: Flöte, Saxophon
Christiane Oumard: Bass
Christa Meyer: Schlagzeug, Gesang
Marianne Langfeld: Gesang
Rita Eichelkraut: Rhythmusgitarre

 

Ausserhalb

Ausserhalb existierte 1978-83, eine Band mit vier Frauen.

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Plattencover

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Tina Thürmer-Rohr – Piano, Synthi, Stimme Hucky Porzner -Schlagzeug

 

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Margaret Diehl – Saxophon, Stimme Melanie Beyer – Gitarre, Bass

 

LesBeTon

Lärm und Lust

Mehrere Musikerinnen mieteten eine Fabriketage in Kreuzberg.

Hier übte die Samba-Gruppe von Frauen aus feministischen Projekten. Die Gruppe führte jeweils die Walpurgisnacht Demo an und trat bei festen und auch im Tempodrom auf.