Kunstausstellungen

Verbotene Ausstellung zur Eröffnung des FZ

Wir fanden im Frühjahr 1973 einen Laden in Kreuzberg, in dem wir das Frauenzentrum eröffneten mit einer Frauenaustellung, die von Brigitte Mauch, Toja Wernery und Evelyn Kuwertz gestaltet worden war: Zur Situation der Frau in Familie und Gesellschaft. Sie zeigte  Schwerpunkte wie: Einkaufen, Kinder versorgen, Mann bedienen, Wohnung putzen und sexuell verfügbar für Männer sein. Der Senat, der diese Ausstellung zum Teil mitfinanziert hatte, stellte wegen angeblich jugendgefährdender Darstellungen keine Räume zur Verfügung. Anlaß war ein einziges Bild, auf dem die normale sexuelle Benutzung der Frau durch den Mann dargestellt wurde.

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Ausstellungswand zur Situation der Frau in Familie und Gesellschaft[1]

 

„Emanzen – das hässliche Geschlecht“

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„Toast auf die Emanzipation der Frauen von bereits furios Emanzipierten“ aus der Serie „Die Scheidungsrechterlinnen“ 12.10.1848

In der Ausstellung Honoré Daumier und die ungelösten Probleme der bürgerlichen Gesellschaft der NGbK 1974 im Schloss Charlottenburg stellte Cillie Rentmeister Daumiers Karikaturen zur damaligen Frauenbewegung in Ausstellung und Katalog vor.
Das brachte uns die Erkenntnis, dass Frauen schon zu Zeiten der Französischen Revolutionen für mehr Rechte kämpften. Der ganze Aufsatz von Cillie Rentmeister dazu hier.

Künstlerinnen international 1877-1977

Eine Grupppe um Sarah Schumann zeigte Arbeiten von Künstlerinnen in der Orangerie des Schlosses Charlottenburg unter dem Schirm der NGbK, der Neuen Gesellschaft für Bildende Kunst.

Cillie Rentmeister hatte acht Künstlerinnen zu ihren Schaffensbedingungen, den künstlerischen Ideen und zum schwierigen Verhältnis von Kunst zu Politik und Frauenbewegung interviewt: Darunter Sarah Haffner, Maina-Miriam Munsky, Gisela Breitling und Evelyn Kuwertz. Doch dieser Text sollte wegen einiger grundsätzlich kritischer Anmerkungen zur Malerei nicht im Ausstellungskatalog erscheinen. Cillie Rentmeister veröffentlichte ihn daraufhin als Sonderdruck unter dem Titel Der Kaiserin neue Kleider.

 

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Dieser Sonderdruck kann hier als PDF/14MB heruntergeladen werden.

Das Konzept der Ausstellung – gespiegelt unter anderem durch die Jurierung – widersprach dem Verständnis (des Frauenzentrums) von den feministischen Möglichkeiten von Kunst, aber auch der Erwartung an eine große künstlerische Spannweite und an Transparenz der Auswahlkriterien der Jury. 
So wurde Maina-Miriam Munsky beispielsweise nicht zur Ausstellung angenommen, und Sarah Haffner zog ihr Werk, unter anderem gegen diesen Ausschluss protestierend, von der Ausstellung zurück. Die Fotokünstlerin Marianne Wex, die mit feministisch geschärftem Blick die Realitäten analysierte, wurde mit ihren Fotoserien zur Körpersprache weiblich – männlich nicht am prominenten Hauptort Schloss Charlottenburg ausgestellt, sondern an einen Nebenschauplatz in den Räumen der NGBK verwiesen.

Die NGbK hatte dieses Projekt zuerst abgelehnt. Mit einem Trick wagte Sarah Schumann einen zweiten Anlauf:

Kurz vor der der entscheidenden Sitzung traten zahlreiche Sympathisantinnen aus der Frauenbewegung in die NGbK ein, wurden dadurch Vereinsmitglieder und sorgten mit ihren Stimmen dafür, dass dieses Ausstellungsprojekte mehrheitlich befürwortet worden ist. (..) Diese Verbindung zwischen Frauenbewegung und den Künstlerinne, die dieses Ausstellungsprojekt in seinen Anfängen erst möglich gemacht hatte, führte (…) in der späterern Durchführung allerdings zu Konflikten.[1]

Einige Feministinnen wurden misstrauisch: Sollte die Aufmerksamkeit, die die feministische Bewegung für Frauenthemen erzeugt hatte, von Künstlerinnen genutzt werden, um den eigenen Marktwert zu erhöhen?

 

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FRAUENKUNST – nicht nur von Frauen, sondern FÜR und MIT FRAUEN!

 

Frauen aus der Berliner Frauenbewegung wollten ihren Protest vor Ort inszenieren. Deshalb schrieben sie eine Pressemitteilung, die mittels Briefkopf des Veranstalters NGBK vorgab, dass die Ausstellungsmacherinnen ihre elitäre Position korrigieren wollten. Diese „Pressemitteilung“ liessen sie im Rundfunk (damals SFB) verlesen:

 

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Mithilfe eines mit Wachsmatrizen abgezogenen Flugblatts sollte die Aktion gestoppt werden. Die Ausstellung wurde vorsichtshalber geschlossen.

 

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Doch die „Massen“ versammelten sich bereits vor der Orangerie des Schlosses und schliesslich öffneten die Türen wieder, die Frauen strömten herein und liessen sich zu eigenem Kunstschaffen nieder.

 

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Fotos: Cristina Perincioli

Monika Kaiser resumiert 2013:

Die mit der feministischen Bewegung verbundende Idee prozessorientierter Kunst und Kreativität, die in einem interaktiven, kreativen Kommunikationsraum angesiedelt war, stand der Idee der individuellen, künsterischen Schöpfung gegenüber, die im Distanz schaffenden White Cube ihren Platz hatte. (…)  Die auf Professionalität ausgerichteten Künstlerinnen setzten in den 80er Jahren verstärkt auf die Abgrenzung von der Frauenbewegung und damit auf die räumliche Anpassung an den Kunstmarkt.[2]

 

Das verborgene Museum

Es wurde 1986 mit der Zielsetzung gegründet, Lebenswerk und Lebensgeschichte von Künstlerinnen bekannt zu machen, die aus den unterschiedlichsten Gründen in Vergessenheit geraten sind.

Das verborgene Museum ist die weltweit einzige Einrichtung, die sich programmatisch um die öffentliche Präsentation und wissenschaftliche Aufarbeitung der Lebenswerke von Künstlerinnen zurückliegender Jahrhunderte bzw. nicht mehr aktiv tätiger Künstlerinnen kümmert. Weitere Infos.

 

[1] Monika Kaiser, Neubesetzungen des Kunst-Raumes, Feministische Kunstausstellungen und ihre Räumw, 1972 – 1987, S. 141,142
[1] ebenda, S. 160

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